Welt der kleinen Kostbarkeiten

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Mittwoch, 10. April 2013

WO ist man eigentlich "zuhause"?

Darf man alten Menschen  ihr gewohntes "Zuhause" nehmen, sie "verpflanzen", um sie aus Vernunftgründen in einem "passenderen" Zuhause unterzubringen?


Was heißt "Zuhause"?
Ist es dort, wo man geboren wurde?
Oder da, wo man seine Kindergartenzeit verbracht, die Schule besucht und Freunde gehabt hat, die jedoch gar nicht mehr dort sind, sondern mittlerweile in alle Winde verstreut wurden?
Vielleicht ist das Zuhause ja aber auch erst da, wo man geheiratet, Kinder bekommen und aufgezogen hat.
Oder ist das Zuhause endgültig dort gefunden, wo man seine Wohnung liebevoll eingerichtet, eine nette Nachbarschaft gefunden, eine vertraute Umgebung hat und sich rundum wohl fühlt, weil man seit vielen, vielen Jahren dort wohnt?

Und nun bekommt man zu hören, es sei viel besser, sinnvoller, ungefährlicher, angebrachter, aus gesundheitlichen Gründen notwendig und...und...und....dieses geliebte und vertraute Zuhause zu verlassen und umzuziehen, z.B. ins betreute Wohnen, also in ein neues, völlig unbekanntes Zuhause.
Dort soll man jetzt seinen Lebensabend verbringen.
Vernunft hin oder her......darf man alten Menschen das "antun", darf man sie --eigentlich gegen ihren Willen-- solange "bearbeiten" und dazu überreden, auch wenn ---aus eigener Sicht-- man ja nur das Beste will?


Diese Gedanken gehen mir seit Wochen ununterbrochen durch den Kopf, denn bei den betroffenen Menschen handelt es sich um meine Eltern.
Natürlich wollen sie nicht weg aus ihrer gewohnten Umgebung und ihrem vertrauten Heim, sie verschwenden bis jetzt ernsthaft nicht mal einen Gedanken an diese Möglichkeit.

Doch wir, ihre Kinder, sehen mit Schrecken, wie schnell die Demenz unserer Mutter das Zusammenleben zwischen unseren Eltern immer schwieriger und unseren Vater immer unglücklicher werden läßt.
Lange wird er ihr krankheitsbedingtes Verhalten nicht mehr verkraften. Dennoch....eine Trennung der beiden (z.B. Mutter ins Heim) kommt aus seiner Sicht überhaupt nicht infrage!
Betreutes wohnen aber auch nicht. Noch nicht.
Er will zuhause wohnen bleiben.

Eine nur stundenweise Pflegekraft dort wird aber vielleicht nicht ausreichen, wenn die Erkrankung unserer Mutter weiterhin so rasant fortschreitet.
Müssen wir wirklich abwarten, bis unser Vater von sich aus "aufgibt", weil er mit ihr nicht mehr fertig wird?
Schreckliche Vorstellung! Er leidet jetzt schon so. Genauso schrecklich aber auch, beide aus ihrem Heim zu reißen, nur weil wir glauben, unserem Vater so noch ein paar einigermaßen schöne Jahre zu ermöglichen.
Wird er es überhaupt als schöne Jahre empfinden können in einer nicht gewollten, fremden Umgebung? Oder macht ihn das noch viel unglücklicher?

Zum Glück ist er noch so fit, dass er sich um alltägliche Dinge wie Essen zubereiten, einkaufen usw. kümmern kann. Putzen ist allerdings überhaupt nicht sein Ding  :)) , aber dafür haben sie seit einiger Zeit  ja auch eine Hilfe.

Ich hoffe sehr, irgendwie ergibt sich in absehbarer Zeit eine akzeptale Lösung, mit der alle, vor allem aber meine Eltern, einverstanden sind.

Leider haben weder meine Schwester noch ich die Möglichkeit, beide Elternteile im eigenen Haus unterzubringen und unser Bruder ist sowieso außen vor, da er beruflich für lange Zeit in Indien ist.

Trotz all der Probleme, schaffe ich mir so langsam wieder ein wenig eigenen Freiraum, setze mich --wenn auch meist nur kurz-- mal an den Brenner und denke, auch zum Bloggen wird es in Kürze wieder reichen.

Für heute aber erstmal ganz liebe Grüße
Eure Gaby








Kommentare:

Ida - Garten-Keramik hat gesagt…

Liebe Gaby
Die Antwort dieser Frage liegt wohl immer im Auge des Betrachters. Unheimlich schwierig und von Mensch zu Mensch wieder anders. Ich glaube, deine Eltern brauchen professionelle Hilfe. Deine Mutter, sie wie
Rd wohl kaum mehr wirklich abschätzen können, wo ihr wirkliches Zuhause ist. Demenz - auch meine Achwiegermutter war davon betroffen und wir mussten sie vor Jahren zwangsweise aus ihrem Zuhause reissen. Letztlich fanden wir einen wirklich guten Platz in einem Altersheim und da hat sie sich auch wirklich wohl gefühlt. Aber sie war alleine, der Partner löngst gestorben.
Am allerschlimmsten wird die Situation wohl für euren Vater und eben euch Kinder sein. Ein Rezept gibt es nicht. Ich hoffe und wünsche es euch allen von ganzem Herzen, dass sich wirklich bald eine Lösung finden lässt, die für alle Beteiligten letztlich stimmt. Es gilt wohl auch, anfangen loszulassen. Ich wünsche euch ganz viel,Kraft in dieser schwierigen Zeit und dass wirklich für alle Beteiligten sich eine akzeptable Lösung finden lässt.
Alles Liebe und sei herzlich gegrüsst
Ida

Isi Merkel hat gesagt…

liebe gaby

so große sorgen hast du, das tut mir wirklich leid.
eine schlimme situation für dich.

gibt es in eurer gegend eine spezielle alzheimer-hilfe?
vielleicht könnte es für deinen papa hilfreich sein, wenn ihm jemand von dort erklärt, wie das weitergeht mit der mama, was noch auf ihn zukommt, was die mama noch bewusst erlebt von seinen bemühungen.

ein freund von uns hatte auch sehr große mühe, seine mutter "loszulassen". aber die mitarbeiter der alzheimer-hilfe konnten ihn davon überzeugen, dass es für seine mutter keinen unterschied mehr macht, wo sie gepflegt wird.
für anghörige wird es schnell zuviel. da kann es dann sogar zu richtigen wutausbrüchen kommen, weil die kranke einfach nicht "funktioniert".

mein vetter ist ausgebildeter krankenpfleger, aber auch für ihn kam der tag, an dem er seine mutter in eine spezielle pflege geben musste.
ohne ausbildung kann ein mensch das nicht leisten.

ich drücke euch die daumen, dass ihr eine gute lösung findet.

alles liebe, isi

Doris Stumpf hat gesagt…

Liebste Gaby, tja, das sind wirklich schwere Entscheidungen, die du hier treffen musst! Ich hoffe, du findest den richtigen Mittelweg dafür! Liebe Grüße Doris

Elisabeth hat gesagt…

Zu meinen Vorschreiberinnen: Achtung Alzheimer ist nicht gleich Dement!

Liebe Gaby

Du bist in einer schwierigen Situation mit der wir uns mehr oder weniger alle mal auseinander setzen müssen. Gäbe es eine Möglichkeit, deine Eltern probeweise also vielleicht für 2/3 Wochen Urlaub in ein betreutes Alterswohnen zu geben? So könnte sich dein Vater selbst ein Bild machen. Ein Versuch wäre es wert.

Ich arbeite als freiwillige Helferin in einem Alterszentrum. Da sind auch Ehepaare untergebracht die sich wohlfühlen und es geniessen, von allen Seiten verwöhnt zu werden und sich um nichts mehr selber kümmern müssen. Sie haben viele Möglichkeiten ihren Alltag selber zu gestalten mit Ausflügen, Hobbys pflegen natürlich immer ihren Möglichkeiten entsprechend.

Wo ist man Zuhause? Für mich bedeutet Zuhause da wo ich jetzt wohne und möglichst lange bleiben darf bis ins hohe Alter aber wer weiss schon...

Ich wünsche dir das Du zur Ruhe kommst und Entscheidungen treffen kannst, die für dich und deine Eltern stimmen.

Alles Liebe
Elisabeth

Irmi hat gesagt…

Liebe Gaby,
das ist ein Thema, zu dem ein Aussenstehende kaum etwas sagen kann.
Eigentlich sollte man einen alten Baum nicht verpflanzen. Das tut nicht gut. Aber in deinem Fall ist es doppelt schwer, weil den Vater noch so fit ist.
Ich wünsche dir die Kraft für die Entscheidung, die auf dich und deine Schwester zukommen wird.
Einen schönen Abend wünscht
Irmi

Andrea Schwenk hat gesagt…

Liebe Gaby!
Auch sehe bei meiner Mutter Anzeichen einer beginnenden Demenz und frage mich auch soviele Fragen.
Sicherlich möchte jeder solange es irgend möglich ist in seinem eigenen Zuhause leben ohne viele fremde Menschen. Aber auch die Vetrtauten werden zu Fremden... dazu gehören immer erste mal die beiden Eltern...
Was verlangt sich der Vater ab und was kann auch er nicht mehr stemmen.
Bei uns gibt es auch eine Tagesstätte die Leute nur mal 1 tag in der Woche aufnimmt, vielleicht wäre das schon eine Hilfe?
So könnte sie zuhause schlafen und der Mann wäre etwas entlastet.
Vielleicht gibt es sowas auch bei Euch?
Bei meiner Ma ist es noch nicht so schlimm... aber sie wird nunmal nicht jünger.
Liebe Grüße
andrea

Claudia hat gesagt…

Liebste Gaby,
da kann ihc mich nur dem schon geschriebenen anschliessen... das ist wirklich eine sehr schwierige Entscheidung und ich kann Dich so gut verstehen ..... es ist schwer, einen alten Baum zu verpflanzen, und ich hoffe sehr, daß ihr für alle eine passenden und vor allem gute und lebenswerte Lösung findet, zumal Dein Papa noch so fit ist!
Ach, das sind Gednaken, die mir jede Nacht durch den Kopf gehen... was mach ihc in dieser Situation, wenn sie - unweigerlich - irgendwann auf mich zukommt...
Ich wünsch Dir und Deiner Schwester ganz viel Kraft und hoffentlich eine für alle gute Entscheidung!
Sei mal ganz lieb gedrückt!
♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥